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November 12, 2010 / jeschko

Tschechisches Original trifft auf andalusische Gelassenheit // Auf eine Zigarette im Café Sladkovsky

Schon beim Betreten des Lokals fallen sie ins Auge die grün-roten Fliesen, die den langen Weg von Marrokko in diesen öffentlich noch etwas unterbelichteten Teil Prags hinter sich haben. Per Zug sind sie vor gut einem Jahr nach Hamburg und von dort aus mit dem Auto in die Sevastopolská 17 gebracht worden. Zu dieser Zeit glich das Café Sladkovský noch einer Baustelle. Völlig entkernt und von Grund auf erneuert wurden die Räumlichkeiten, die an diesem frühen Freitagabend sowohl von jungen Eltern, studentischen Pärchen und Kindern bevölkert sind. Letzteren steht hier ein separiertes Spielzimmer zur Verfügung – sicherlich eine Ausnahme in der Prager Kneipenlandschaft.

Aber nicht nur jene Fliesen, auch die Tapas-Auslage, die Weine und die vielversprechenden Angebote zur Nahrungsaufnahme zeugen von dem geglückten Vorhaben mediterrane Lebensart ins ins Tschechische zu übersetzen. Viel Wert wird zudem auf die Zubereitung eines wahrhaft aromatischen Kaffees gelegt, zu dem auf Anfrage hausgemachter Käsekuchen oder Apfelstrudel gereicht wird. Zum Repertoire der in Zukunft italienisch dirigierten Küche gehören unter anderem auch Indisches Hühnchen, Arabisches Hummus, Rindfleisch- und vegetarische Burger, Pasta und frisch zubereitete Salate. Aber nicht nur für den größeren Appetit ist hier gesorgt, auch das ab 11.30 Uhr erhältliche Frühstück, hat, je nach Präferenz, Toasts, Sandwiches oder englische Deftigkeit zu bieten.

Den Skeptikern sei bei derartigem Eklektizismus gesagt: Die Gemütlichkeit, die sich bei einem spanischen Reserva, einem Ježek oder einem ungefilterten Rychtář breit macht, war schon vorher da. Denn die verschiedenen kulinarischen und gestalterischen Anleihen, die Bistro mit Café und Wohnzimmer verbinden, erzeugen nicht nur eine geeignete Atmosphäre für Gespräche, für die Zeitungslektüre oder eine Partie Schach, sondern locken gelegentlich auch Literaten und Musiker auf die nicht vorhandene Bühne. Dem Team um Geschäftsführer Michal Mahdák geht es folglich nicht nur um’s Geld verdienen, sondern auch um einen Beitrag zur Stadtteilkultur. Viva la Vrsovice!

Café Sladkovsky, Sevastopolská 17, Prag 10 (Vršovice), geöffnet: täglich bis ~ 1 Uhr, www.cafesladkovsky.cz, www.startvrsovice.cz

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