Weniger ist mehr // Gaumenfreuden im Restaurant Millhouse Sushi


Etwas eisig ist es in diesen Tagen auf der Einkaufsstrasse Na přikopě, die zum Slawischen Haus (Slovansky Dům) führt. Im Hinterhof des historischen Gebäudes, in dem heute eine Einkaufspassage untergebracht ist, markiert ein farbenfrohes Menüschild den Eingang und der Besucher weiß, dass die Zeit für einen kostspieligen, aber exquisiten Aufenthalt im Restaurant Millhouse Sushi gekommen ist. Nach einem warmen Sake, dem typisch japanischen Reiswein und einer Miso Shiru, einer Seegrassuppe (80 Kč), die in einer geschlossenen Keramikschale serviert wird, verfliegt die mitgebrachte Kälte und auch die zunächst etwas kühl wirkende Atmosphäre des Interieurs. Kühle und Formstrenge gehorchen hier jedoch einem höheren Zweck als der häufig mit Naturholz und Zigarrenqualm erzeugten Gemütlichkeit. Die Inneneinrichtung, die an die traditionellen Zimmer (Washitsu) und Schiebewände (Shoji) des japanischen Landhausstils erinnert, stellt eine passende Bühne für die akkurat und kunstvoll zubereiteten Köstlichkeiten der Sushi-Küche dar.

„Während viele Sushi-Restaurants den gerade ausgebildeten Azubi zum Chefkoch erklären, ist uns die langjährige Erfahrung unserer Köche wichtig, denn man schmeckt den Unterschied – und der spiegelt sich auch in unseren Preisen wieder“, so Inhaber Igor Ivanovič. Hierbei fokussieren die Köche von Millhouse Sushi vor allem amerikanische und europäische Adaptionen, die auf die Vorlieben westlicher Gaumen abgestimmt sind – ohne jedoch die japanischen Vorbilder aus den Augen zu verlieren. Rechtwinklig angeordnet, warten bereits die Essstäbchen und die tonerne Schale für den nach Art des Hauses präparierten Soja-Dip. Für den zur Suppe gereichten Meeresalgensalat mit Salatgurken und Sesamkernen (Wakame), der für 100 Kč erhältlich ist, dient als Dressing eine raffinierte Mixtur aus Reisessig und Sake, die den etwas säuerlichen Meeresalgen eine angenehm milde Note verleiht. Die für 280 Kč erhältlichen Lachs-Chips brillieren durch ein auf handelsüblichen Stapelchips gebettetes, cremiges Topping aus Seelachssalat und Fliegenfischkavier (Tobiko), die den Verzehr zu einem gezügelten Feuerwerk der Sinne werden lassen.

Dass es sich bei Millhouse Sushi um ein Nichtraucher-Restaurant handelt, versteht sich von selbst. Nichts soll hier den Blick auf die optischen Kreationen und schon gar nicht die Geschmacksknospen trüben. Die zum Nigiri Sushi, Maki Sushi oder California Maki gereichten Ingwerscheibchen helfen dabei den Geschmackssinn für den nächsten Happen zu neuralisieren. Das für 440 Kč erhältliche Negimaki, das hauchdünnes Rindfleisch mit Rukolasalat und einer Füllung aus grünem Spargel, Samtfußrüblingen und Austernsauce kombiniert, zeugt, wie auch das in Teriyaki-Sauce servierte Hühnchenfilet (320 Kč), von großer Kochkunst.

Millhouse Sushi, Na přikopě 22, Prag 1, geöffnet: täglich 11 bis 23 Uhr, www.millhouse-sushi.cz

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Graffiti goes Museum // Die Domestizierung der tschechischen Strassenkunst

Während Plakatforscher sich heute einig sind, dass die Bedeutung des Posters sich durch die Verbreitungstechniken des Internet verändert habe, erfasst seit einiger Zeit auch die aerosolbasierte Strassenkunst eine Transformation. Bisher, und noch immer, ist sie vor allem im öffentlichen Raum von Städten anzutreffen und sorgt für die Erregung der Gemüter. Graffiti polarisiert. Ob es sich hierbei um Kunst, um blosse Reviermarkierungen oder um eine mit hohem Kostenaufwand zu beseitigende Schmiererei handelt, entscheidet wie immer der Betrachter – und hängt nicht selten davon ab, ob man der Besitzer oder lediglich Betrachter der bemalten Flächen ist.

Spätestens mit den medienwirksamen Auftritten des britischen Künstlerphantoms „Banksy“ hat sich etwas verändert in der öffentlichen Wahrnehmung der Strassenkunst. Seine Anleihen bei der Gegenwartskultur (Pulp Fiction, Guantanamo), die die Wiedererkennung und Zuordnung im Stadt- und Mediendschungel erleichtern, sein Schmuggel eigener Werke in das Pariser Louvre und seine Anonymität sorgen nicht nur dafür, dass das Zeichenrepertoire der Streetart und der Kreis der Eingeweihten sich stetig verallgemeinert, sondern auch für den sanften Wiederanschluss des Rätselhaften an die Produktionszyklen der Aufmerksamkeitsindustrie.

Während Graffiti und Breakdance seit jeher zum Zeichenbestand der Hip-Hop-Kultur zählen, und sich – Pop sei Dank – längst Weg in die Kinderzimmer des Mittelstands gebahnt haben, dürfte das Interesse von Museums- und vor allem von staatlicher Seite relativ neu sein. Der diesjährige tschechische Expo-Auftritt in Shanghai liefert hierfür ein eindrückliches Beispiel. So wurden die polizeilich bekannten Streetart-Künstler Masker, Pasta, Tron, Skarf, Cryptic 257 und Point verpflichtet den tschechischen Staat mit einer transportablen Streetart-Ausstellung zu vertreten. Für den unbedarften Betrachter städtischer Graffitikunst ist dies eine nette Geste an die häufig verkannte und kriminalisierte Kunstform. Hardliner hingegen deuten den Handschlag mit dem Establishment als Zeichen der Käuflichkeit.

Straßenkunst & Akademie

Wenn das Verbotene plötzlich erlaubt und sogar erwünscht ist, kommt der Verdacht der Vereinnahmung auf. Während Ideale und Seelen jedoch nur schwer materiell zu fixieren sind, mag die Entscheidung für eine Ausstellung auch der Konservierung dienen. Schließlich ist jedem Graffiti im Stadtraum das Verfallsdatum immer schon eingebaut. Der Vandalismus gegen die Strassenkunst geht nicht nur von den Sandstrahlern der Stadtreinigung aus, sondern auch vom Konkurrenzprinzip der Sprayerszene selbst, deren Ehrencodizes wie auch der Klimaschutz keinem gemeinsamen Regelwerk unterstehen. Die Berufung der Streetart auf den Werkkontext Ausstellung ist daher kein Zufall, sondern auch der Absicht geschuldet museale Kunstkonventionen in Anspruch nehmen zu können, die den Erhalt und die Wahrnehmung des Kunstwerkes als solches garantieren. Dass die fünf, noch bis zum 31. Dezember im DOX zu sehenden Graffiti-Künstler für ihre Installationen gar Wände eingerissen und wieder roh aufgemauert haben, holt den Charme der Strasse zurück in die Miniatur. Nach langer Zeit entdeckt auch die tschechische Kulturpolitik die Strassenkunst und wird sie vermutlich verändern – oder zumindest zeitweise institutionalisieren. „Wenn das Museum an Bedeutung gewinnt, dann so, wie die Wüste wächst: Es rückt vor, wo das Leben weicht, und plündert, ein wohlmeinender Pirat, die zurückgebliebenen Wracks“, so der französische Kunsthistoriker Jean Clair a.k.a. Gérard Régnier. Vielleicht ist es auch nur die Kälte des Winters.

DOX – Zentrum für zeitgenössische Kunst (Poupětova 1, Prag – Holešovice), www.doxprague.org

Ein Kessel Buntes // Das 6. filmASIA Filmfestival vereint Mainstream und Arthouse

Mit Quentin Tarantinos Zweiteiler Kill Bill, seinen Anleihen beim asiatischen Eastern und den Martial-Arts ist der asiatische Film wieder im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit angekommen. Die Uma Thurman des 6. filmASIA Festivals heisst Donnie Yen und gehört zum Besten, was die Hongkonger Martial-Arts-Szene zu bieten hat. Schon der Titel deutet auf eine moderne Fortsetzung des Bruce-Lee-Klassikers „Fist of Fury“ hin. Im Stil eines verfilmten Action-Comics richtet sich der Eröffnungsfilm „Legend of the Fist“ folglich an jene Zuschauer, die sich an lautstarken und virtuosen Kampfhandlungen erfreuen. Hiermit setzt das mit insgesamt sieben Filmen kleine Festival vermehrt auf Publikumsfilme, die sowohl in Asien als auch auf internationalen Filmfesten erfolglreich waren. Mit „Face“, der als Film im Film dem Prinzip der Matroschkas ähnelt und auf Initiative des Louvre entstanden ist, kommen jedoch auch Arthousefans auf ihre Kosten. Für den Abschlussfilm des Festivals war Tsai Ming-Liang angehalten seiner eigenen Vision des Pariser Museums Form und Farbe zu verleihen. Herausgekommen ist dabei eine Liebeserklärung an die französische Kinotradition. An Zuschauer unter zehn Jahren richtet sich Hayao Miyazakis Zeichentrickfilm Ponyo, der auf fantasievolle Weise von einer Welt zwischen Meer und Land erzählt – und einer Freundschaft, die sich zu bewähren hat. Mit dem Remake des Samurai-Epos „13 Assassins“ und Sion Sonos „Cold Fish“ sind zwei weitere japanische Filme im Programm. Das südkoreanische Kino ist mit dem kontemplativ erzählten Stadtporträt „The City of Crane“ und Kim Ji-Woons grausam-groteskem Thriller „I Saw The Devil“ vertreten. Sämtliche Filme sind ins Tschechische übersetzt und mit englischen Untertitel versehen.

Kino Aero (Biskupcova 31, Prag 3) Fr., 3.12. bis So., 5.12., www.kinoaero.cz, www.filmasia.cz