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Februar 25, 2011 / jeschko

Technikgeschichte geteilt durch fünf // Nationales Technikmuseum zeigt einmalige Exponate

Das Herzstück des Museums, das Schaubergwerk der 1950er Jahre, wird zwar noch für einige Zeit Baustelle sein, die nun begehbaren, auf fünf Themenbereiche und -hallen aufgeteilten Sammlungen jedoch zeugen schon jetzt vom schier unerschöpflichen Erfindungsreichtum einer Gattung, die schon Max Scheler in seinem Buch „Die Stellung des Menschen im Kosmos“ ins Auge gefasst und auf den Namen „Homo Faber“ getauft hat. Ob in der Architektur, der Reproduktionstechnik, bei der Vermessung des Weltalls oder der Transportation durch Raum und Zeit: das Museum zeigt die Entwicklung der Technik sowohl anhand der Sammlungen bedeutender Exponate als auch als eine Geschichte der Erweiterung menschlicher Fähigkeiten.

Die im obersten Stockwerk befindliche Ausstellungshalle „Architektur, Bauingenieurswesen und Industriedesign“, von der aus der Besucher eine erstklassige Aussicht auf das architektonische Freilichtmuseum schlechthin: die Prager Innenstadt hat, beleuchtet hierbei nicht nur historische Baustile, Designklassiker und stilbildende Verbindungstechniken, sondern widmet sich insbesondere in seinem Modellpark den modernen Bauformen, zum Beispiel des Funktionalismus. Erstmals zu sehen, ist das Original-Modell des tschechoslowakischen Pavillons aus dem Jahre 1958, der auf der Brüsseler Weltausstellung wegen seiner ästhetisch originell vorgetragenen Zukunftsvision aus Science und Fiction große Beachtung fand. Auch die Miniaturen einschlägiger Villen der klassischen Moderne zeugen von der Aktualität und der ungebrochenen Anziehungskraft dieser Epoche.

Im Vergleich zum etwas losen und willkürlich erscheinenden Aufbau dieses Ausstellungsteils überzeugt die verdunkelte Exposition „Astronomie und exakte Wissenschaften“ mit effektvoller Beleuchtung und einem klar gegliederten Vitrinengang. Schon der im Eingangsbereich, in kinderverträglicher Höhe und zum Anfassen aufgebahrte Meteorit sensibilisiert für die Magie, die die Vorstellung vom unendlichen Kosmos und die Werkzeuge seiner Entdeckung umgibt. Uralte Messinstrumente, vergilbte Globen und mit neuester Digitaltechnik projektierte Lehrfilme zeugen von der Sternenkunde als einer Wissenschaft mit Jahrtausende alter Tradition.

Dominieren in der Astronomie-Sammlung noch die Vorstellungen vom irgendwie unbegrenzten Raum, kommt der Ausflug in die analoge Welt der Druck- und Reproduktionstechnik einer Zeitreise gleich. Die massiven, gusseisernen und früher per Dampfmaschine angetriebenen Druckmaschinen vermitteln auch im Ruhezustand einen guten Eindruck von der Zeit, in der die Industrialisierung und mit ihr die Massenpresse sämtliche Lebens- und Arbeitsbereiche der Menschen erfasste – und einschwärzte.

Das gläserne Atelier und die historische Aufnahme des Pioniers Louis Daguerre in der Ausstellungshalle „Fotografie“ sowie die beeindruckende Verkehrshalle, in der einschlägige Originale und Oldtimer des Luft-, Straßen- und Eisenbahnverkehrs ausgestellt und zum Teil begehbar sind, bilden je nach Vorgehensweise den Beginn oder Endpunkt dieser sehenswerten Ausstellung.

Bei genauerer Betrachtung vermisst man zwar insgesamt eine zeitgemäße Einordnung des Verhältnisses von Technik, Umwelt und Mensch, den konsequenteren Bezug zur Jetzt-Zeit und auch eine Sicht auf den Entstehungskontext der Einzelexponate, die nicht beim Einzelautor und folglich beim Mythos des genialen Erfinders stehen bleibt. Dennoch bietet das Nationale Technikmuseum auf der Letná-Ebene Besuchern hinreichend Gelegenheit den Lauf der Technikgeschichte für eine Weile anzuhalten – und gemeinsam zu bestaunen.

Nationales Technikmuseum – Jahrhunderte menschlichen Erfindergeists in fünf einzigartigen Ausstellungen (Kostelní 42, Prag 7), geöffnet: Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 170 Kč, ermäßigt: 90 Kč, mehr unter www.ntm.cz

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