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Juli 6, 2011 / jeschko

Snoozle-Raum auf der Rollbahn // Alan Parkinsons begehbare Luftskulpturen auf dem Flughafen Letňany

Bereits 37 Länder haben die per Druckluft betriebenen Skulpturen Alan Parkinsons seit 1992 bereist und damit so manches Kinder- und Erwachsenenherz höher schlagen lassen. Seine aufblasbaren Zeltkonstruktionen, die über Höhlengänge verschiedener Größen, Formen und Farben miteinander verbunden sind, laden den Besucher zum Verweilen und zum Genießen des dargebotenen Farbrausches ein. Auch zur Meditation nutzen Gruppen die ruhige und warme Atmosphäre der „Mirazozo“ genannten Leuchtkörper, die in allen erdenklichen Farben strahlen und den einen oder anderen Besucher an die innenarchtitektonischen Wunschträume der 1970er Jahre erinnern.

Der 1970 auf der Kölner Möbelmesse gezeigte Entwurf „Visiona II“ des dänischen Designers Verner Panton, der einzelne Raumkomponenten zu einer einzigen farbenfrohen Wohnlandschaft zusammenfließen lässt, scheint hier Pate gestanden zu haben. Unterscheidungen zwischen Sitz- und Entspannungsflächen sind auch in den aufblasbaren Höhlensystemen Alan Parkinsons nicht mehr möglich. So oder so ähnlich muss die visuelle Realität Albert Hoffmanns in seinem LSD-Selbstversuch und mit ihm einer ganzen Generation von Drogenprobanden ausgesehen haben. Parkinsons Objekt gewordene Vision macht hierbei jedoch einen erfreulichen Unterschied: sie entfaltet ihre Wirkung auch ohne die Einnahme bedenklicher Präparate und überbietet die Ästhetik psychedelischer Tapetenmuster bei Weitem. Denn „Mirozozo“ ist begehbar und möchte erkundet werden.

Ein wenig erinnert dies an den biblischen Jona, der vom Wal verschlungen wurde und die Zeit im Inneren des Wals zur Einkehr und zum Gebet nutzte, um am dritten Tag wieder an Land ausgespien zu werden. So kann es auch kein Zufall sein, dass zwei weitere Konstruktionen Parkinsons die Namen Levity II und Levity III tragen – Namen, die sowohl Leichtigkeit und Ungezwungenheit bedeuten, aber zugleich auch an den Leviathan, das Seeungeheuer der jüdisch-christlichen Mythologie erinnern. „Was mich motiviert zu entwerfen, ist die Schönheit des Lichts und der Farben in den Beleuchtungskörpern, die mich immer wieder umhaut. Diese Strukturen erzeugen ein Bewusstsein, das unserer Alltagswahrnehmung auf angenehme Weise zuwiderläuft und den menschlichen Sinn für Wunder weckt“, so der Erfinder Alan Parkinson, Kopf der selbsternannten „Architekten der Luft“.

Für die fünf verschiedenen, aus Spezialkunststoff hergestellten Zeltstädte, die ähnlich wie eine Hüpfburg mit Druckluft aufgeblasen und auf Spannung gehalten werden, sammeln Parkinson und sein Team Inspirationen aus der Natur und der gothischen und islamischen Baukunst. Schneckenformen treffen hier auf das kontemplative geometrische Design einer Moschee. Ferner entdecken Kenner die Verwandtschaft zum sogenannten „Snoezelen-Raum“, einem Raumkonzept, das auf die Erfindung holländischer Zivildienstleistender der 1970er Jahre zurückgeht und heute zu Therapie- und Entspannungszwecken in Kindergärten und Altersheimen eingesetzt wird. Wer trotz ausgezogener Schuhe und trotz der Tatsache, dass sich immer nur 80 Personen gleichzeitig im Inneren des „Luminariums“ aufhalten dürfen, nicht zur Ruhe kommt, sollte es mit Bauchatmung versuchen. Empfohlen wird die Anreise mit öffentlichen Vekehrsmitteln. Zudem ist „Quix Luminarium“ mit dem Rollstuhl befahrbar.

Quix Luminárium

Hůlkova 16, Prague 9 (Kbely), geöffnet: 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 160 Kronen (ermäßigter Eintritt für Familien: 2 Erwachsene + 2 Kinder 500 Kronen), www.luminarium.cz, 15. bis 18. Juli 2011

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