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September 9, 2011 / jeschko

Spurensuche mit Zwerg // Kulturprojekt „Bohemica“ belebt historische Handelsroute zwischen Bautzen und Prag

Böhmisches Bier ist in aller Munde und erfreut sich nicht nur in deutschen Szene-Kneipen erhöhter Nachfrage. Wie steht es umgekehrt um die Salonfähigkeit deutscher Kulturgüter in Tschechien? Was verbindet Tschechien einschlägig mit dem deutschem Kulturkosmos? „Der Gartenzwerg“, lautet die Antwort der Lausitzer Künstlerinitiative „obART“, die mit ihrem Projekt „Bohemica“ einen mobilen Teil der 3. Sächsischen Landesausstellung „Via Regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ bildet. Auf einem in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Nebenzweig der historischen Königsstrasse, die Sachsen mit dem Rheinland und Schlesien verband, entlang des Böhmischen Steiges und der Alten Prager Strasse, beschäftigt sich die Vereinigung unter dem Stichwort „grenzART“ mit den verschiedenen kulturellen Grenzziehungen Deutschlands und Tschechiens.

In Gestalt eines Gartenzwergs und auf zwei historischen Traktoren legte der kleinwüchsige, tschechische Schauspieler Josef Zeman die von Bautzen nach Prag führende Strecke, zusammen mit einem Team von Fotografen und Dokumentarfilmern, zurück. Den Endpunkt der insgesamt vierwöchigen Reise bildet die bis zum 11. September in der Trafacka-Galerie zu sehende Ausstellung „Bohemica“, die neben den museumsreifen Traktoren, und einem zum Bohemica-Info-Center umfunktionierten Bauwagen, Videos über die menschlichen und landschaftlichen Begegnungen der Etappe zeigt. Es wird deutlich, dass die im tschechischen Grenzbereich so häufig anzutreffende Figur des Gartenzwergs tatsächlich einen Dienst für die Kulturvermittlung leisten kann – vorausgesetzt man versteht es, wie Schauspieler Zeman, diese mit trockenem Witz und Tatendrang zu verkörpern.

An der Reise durch über 16 deutsche und tschechische Städte und Landschaftsräume beteiligte sich zudem der Leipziger Künstler Julius Popp mit seiner eigens für das Projekt entwickelten Installation „bit.course“, deren Funktionsweise es ermöglicht, Sätze aus Wasser auf die Strasse zu schreiben. Zusammen mit seinem bekannteren Werk „bit.fall“, einem Wort-Wasserfall, der seine Begriffe aus den Schlagwortsystemen des Internet bezieht, ist auch diese technisch wie künstlerisch einmalige Erfindung Teil der laufenden Ausstellung. Kultur – ihre Gegenwart und auch die Erinnerung an sie – ist, wie Popps Installationen verdeutlichen, vergänglich. Es wird daher empfohlen sich diese Ausstellung anzuschauen – bevor das Projekt „Bohemica“ im Internet fortlebt.

Bohemica, Trafačka, Kurta Konráda 1, Prag 9 (Vysočany), geöffnet: täglich 13 bis 19 Uhr, Eintritt: frei, www.bohemica.info, bis 11. September

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