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Juli 30, 2012 / jeschko

Václav Düsentrieb // Schiffsschraube, Kontaktlinse & Vererbungslehre wurden in Tschechien erdacht – aber auch andere Erfindungen

>>> http://ergonom3.wordpress.com/2012/04/10/dalnik-or-the-long-range-thing-from-czechoslovakia/

Jára Cimrman

>>> http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%A1ra_Cimrman

Jára (da) Cimrman ist eine Kunstfigur und als solche Hauptfigur des Jára-Cimrman-Theaters (Divadlo Járy Cimrmana), das sich seinem Leben und Werk widmet. Die Figur tauchte das erste Mal im Jahre 1966 in einem Radioprogramm auf und entwickelte sich während des Sozialismus auch zum Objekt stillen Widerstands und einer Projektionsfläche für damals nicht realisierbare Möglichkeiten der freien Gestaltung des eigenen Lebens. Cimerman wurde dadurch zu einem „virtuellen“ Nationalhelden, dessen ebenfalls virtuelle Existenz von zahlreichen Personen und Medien über die Jahre durch Berichte über fiktive Ereignisse aus seinem Leben immer weitergepflegt und -entwickelt wurde.

Hauptautoren und Hauptdarsteller der im Theater aufgeführten Stücke sind Zdeněk Svěrák, Ladislav Smoljak und (in den ersten Jahren) Jiří Šebánek. Sie geben vor, Cimrman wissenschaftlich zu erforschen und ihr Publikum mit ihren jeweiligen neuen Erkenntnissen vertraut zu machen.

Das Theater entstand 1966 aus einem Radioprogramm, der „Alkoholfreien Weinstube zur Spinne“ („Nealkoholická vinárna U Pavouka“, Erstsendung 23. Dezember 1966), der ersten Premiere „Akt“ folgten in den nächsten 30 Jahren 14 weitere Stücke.

Die wichtigsten Charakteristika dieses Theaters sind neben der typischen Form (die Vorstellung ist in ein pseudo-wissenschaftliches Seminar und ein angeblich von Cimrman geschriebenes Stück geteilt) auch der Einsatz von „Nicht-Schauspielern“ und Mystifizierung (Vortäuschung der Existenz Cimrmans). Es zeichnet sich durch stark parodistische Elemente aus.

Alle Vorstellungen haben ein Thema: die Erkundung des Werks Cimrmans. Die Schauspieler geben Wissenschaftler – Cimrmanologen –, die in jedem Stück (im Seminarteil) neue Funde und Entdeckungen präsentieren und im Anschluss ein Stück aus der Hand des „Meisters“ aufführen. Die Vorstellungen sind in der Regel lange vorher ausverkauft. Obwohl den Tschechen durchaus bewusst ist, dass Cimrman nie existiert hat, betreiben sie die Mystifizierung, mit denen die Cimrmanologen begonnen haben, mit sehr viel Elan.

Leben und Werk Jára Cimrmans

Die folgende Darstellung fasst das fiktive Leben des Jára Cimrman zusammen, so wie es sich heute aufgrund des kollektiven „Weiterspinnens“ des ursprünglichen Gedankens dieser fiktiven Person darstellt.

Jára Cimrman wurde zwischen 1854 und 1872 in Wien als Sohn des tschechischen Schneiders Leopold Cimrman und der österreichischen Schauspielerin Marlén Jelinková geboren. Er hatte keine sehr glückliche Kindheit. Sein Vater schrieb ihn für die tschechische Minderheitenschule in Wien ein, während seine Mutter ihn – gleichzeitig – auf eine deutschsprachige Schule schickte. Um zu sparen, zogen ihn seine Eltern als Mädchen auf, damit er die Sachen seiner älteren Schwester (der späteren Dorfschullehrerin von Liptákov) weitertragen konnte.

Trotz seiner schwierigen Kindheit stand Cimrman eine große Zukunft bevor. Als Weltreisender erlebte er mit dem polnischen Wanderzirkus Krakowiak atemberaubende Abenteuer und entwickelte sein Talent als Dramaturg und Bildhauer. Später arbeitete er an verschiedenen Theatern und widmete sich der Theatertheorie (insbesondere im Zusammenhang mit seiner fahrenden Theatergruppe), aber auch in Psychologie, Geschichtsschreibung, Kriminalistik, Musikwissenschaft und Ingenieurskunst vollbrachte er Meisterleistungen. Er wurde zuletzt, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, in Liptákov im Isergebirge gesehen, danach verschwand er spurlos.

Wichtige Meisterleistungen waren unter anderem die Philosophie des „Externismus“, die Züchtung des „Universellen Schnabeltiers“. Er pflegte Freundschaften mit Albert Einstein und Sigmund Freud und machte auch eine Vielzahl von nützlichen Erfindungen wie etwa der Glühlampe (die nach ihm benannt wurde: tschechisch „Járovka“, wird später über das Französische zu „žárovka“), wobei er jedoch erst fünf Minuten nach Thomas Alva Edison am Patentamt eintraf.

Cimrman wäre fast der erste Mensch am Nordpol gewesen, doch verfehlte er sein Ziel um ca. sechs Meter, da er auf „feindselige Eingeborene“ stieß. Er schlug Tschechow den Titel „Die drei Schwestern“ für dessen Drama vor, nachdem er vom Arbeitstitel „Die zwei Schwestern“ gehört hatte und meinte: „Sind das nicht zu wenig?“. Außerdem erfand er die CD (die Abkürzung steht für „Cimrman’s Discs“) und war der erste Mensch auf dem Mond; er landete 1914 in einem Eichhörnchen-betriebenen U-Boot.

Es existiert nur ein einziges Foto von Cimrman, entstanden 1909 während eines Aufenthalts in den USA. Bedauerlicherweise sieht man darauf nur eines seiner Beine ins Bild ragen.

Cimrman war verlegerisch tätig. Seine Zeitschrift „Glückliches Heim“ ging ein, nachdem er angefangen hatte, das Konkurrenz-Wochenblatt „Unglückliche Familie“ herauszugeben, in dem die Leser ein wahrhaftigeres Bild des Lebens fanden.

Jára Cimrman schlug der nordamerikanischen Regierung das Projekt des Panamakanals vor, während er gleichzeitig das Libretto der gleichnamigen Oper vorstellte. Zusammen mit dem Grafen Zeppelin konstruierte er das erste Luftschiff. Als aus Deutschland ausgewiesener Anarchist lebte er unter schwierigen Bedingungen in den österreichischen Alpen und arbeitete hier als Hebamme. In Paraguay gründete er das Puppentheater. In Wien gründete er eine kriminalistische Musik- und Ballettschule. Er führte eine umfangreiche Korrespondenz mit G. B. Shaw, auf die jedoch der sture Ire nicht antwortete. Er ist der Erfinder des Joghurts. Er half selbstlos vielen Wissenschaftlern: er assistierte Dr. Burian bei den ersten plastischen Operationen, Edison half er bei der Überarbeitung der ersten Glühbirne, für Eiffel hat er einmal eine Untermiete gefunden. Er ist der Schöpfer der philosophischen Richtung „Externismus“. Weitere Erfindungen: Bikini, Vollmilch, Prinzip des Internets.

Neuere Veröffentlichungen behaupten nun sogar, Jára Cimrman wäre eigentlich eine Frau gewesen.

Bedeutung

Als das Tschechische Fernsehen 2005 eine Umfrage „Der größte Tscheche“ in Tschechien organisierte, ging Jára Cimrman möglicherweise sogar in Führung und übertraf somit Persönlichkeiten wie den Heiligen Wenzel, Karl IV., Jan Hus, Comenius oder Václav Havel. Er wurde aber nach einer Besprechung mit dem Lizenz-Eigentümer BBC vom Wettbewerb als fiktive Persönlichkeit ausgeschlossen, was von etlichen Tschechen als empörend empfunden wurde. Die Anzahl der für Cimrman abgegebenen Stimmen wurde nicht veröffentlicht.

Nach Jara Cimrman sind in Tschechien einige Straßen benannt. Außerdem trägt ein 1996 von einem tschechischen Astronomen entdeckter Asteroid den Namen Járacimrman.

Das Jára-Cimrman-Theater

Im Prager Stadtteil Žižkov befindet sich das Theater, in dem die Stücke, die sich um die Person des Jára Cimrman drehen, gespielt werden. Es trägt offiziell den Namen Žižkovské divadlo Járy Cimrmana, wird aber in Tschechien oft nur als DJC bezeichnet.

Ausstellung: Erfinder & Erfindungen, bis 30. September, Neues Gebäude des Nationalmuseums (Vinohradská 1, Prag 1), täglich 10 bis 18 Uhr, www.nm.cz

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