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Januar 15, 2014 / jeschko

Lego-System-Kunst // Retrospektive Radek Kratinas im Haus zur Steinernen Glocke

19_Radek Kratina na počátku 70. let

Lange hat die umfassende Werkschau des tschechischen Künstlers Radek Kratina auf sich warten lassen, und dass, obwohl dieser sich ohne Weiteres in die Ahnenreihe der konstruktivistischen, konkreten oder kinetischen Kunst der 1960er und 70er Jahre fügt. 1999 verstorben und zu Lebzeiten mit Ausstellungsverboten belegt, wird der Name Kratina bis heute in kaum einer Hitlist des internationalen Kunstbetriebs geführt. Etwas bekannter mag da der in Berlin lebende tschechische Künstler Rudolf Valenta sein, der 1967 zusammen mit Kratina den tschechoslowakischen „Klub der Konkretisten“ gründete.

Programm dieser Vereinigung, das zur selben Zeit auch andernorts in Europa Konjunktur hatte, war, künstlerische Form– und Farbgebungen auf wesentliche Elemente zu reduzieren. Was die russischen Formalisten, die schweizer Konstruktivisten oder die Dada–Bewegung im frühen 20. Jahrhundert an Innovation freisetzten, an neuen Design– und Bauprinzipien hervorbrachten, sollte nach dem historisch bedingten Rückfall in vormoderne Zeiten wieder Gegenstand des künstlerischen Schaffens sein. Wie die als Sonderlinge belächelten Konkreten Poeten im Westdeutschland der 1960er Jahre sich den Lego–Systemkomponenten der Literatur zuwandten, also den Buchstaben und Lauten, arbeiteten Konkrete Maler und Bildhauer mit geometrischen Grundformen und komplementären Farbfolgen.

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Mit einsetzender Normalisierung in der Tschechoslowakei, wurde auch der Künstler Radek Kratina marginalisiert, da er nach Logik der geltenden Doktrin ein westlich–dekadentes Kunstverständnis vertrat. Vielfarbene Quader oder monochrome Karos sind nach wie vor Themen der Malerei und Bildhauerei, die naturalistischer veranlagte Betrachter herausfordern. Kratinas offensichtlicher Gefallen an geometrischen Formen und monochromer Farbgebung kommt jedoch gar nicht streng formalistisch daher, sondern spielerisch. Ein Spiel, das wiewohl kein abstraktes, sondern ein durch und durch gegenständliches ist.

Die Reliefs aus Alltagsobjekten wie Streichhölzern und Buchstabennudeln, die gemäldehaften dreidimensionalen Setzkästen und vertikal emporragenden Metallskulpturen, die Kratina „Variablen“ genannt und je aus immergleichen Bauelementen nach dem immergleichen Bauprinzip zusammengesetzt hat, zeigen, dass hier vor den historischen Wänden der Hauptstadtgalerie, das Werk eines Modernen gewürdigt wird.

Radek Kratina (1928 – 1999) Dům U Kamenného zvonu, Galerie hlavního města Prahy / Haus zur Steinernen Glocke, Galerie der Hauptstadt Prag (Staroměstské náměstí / Altstädter Platz 13, Praha 1), geöffnet: dienstags bis sonntags 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 120 Kronen (ermäßigt 60 Kronen), www.citygalleryprague.cz, bis 19. Mai 2013

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